Leibniz-Gemeinschaft fördert Geruchs- und Geschmacksforschung mit fast zwei Million Euro

Freising, 25. November 2021 - Der Geruchs- und Geschmackssinn sind für die Wahrnehmung von Lebensmitteln und damit für die Nahrungsauswahl entscheidend, die wiederum maßgeblich unsere Gesundheit beeinflusst. Doch wie müssen Geruchs- und Geschmacksstoffe mit unseren Sinnesrezeptoren zusammenspielen, damit uns ein Lebensmittel gut schmeckt? Und welche molekularen Mechanismen sorgen für ein gutes Mundgefühl? Um Nachwuchstalente in diesem Forschungsbereich zu stärken, fördert die Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs 2022 für die nächsten fünf Jahre zwei Wissenschaftlerinnen des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (LSB) mit insgesamt fast zwei Millionen Euro.

Antonella Di Pizio leitet am LSB seit Oktober 2018 die Arbeitsgruppe Molecular Modeling. Melanie Köhler forscht derzeit noch als Senior Scientist an der belgischen Université Catholique de Louvain (UCLouvain). „Beide Wissenschaftlerinnen überzeugten den Senatsausschuss der Leibniz-Gemeinschaft durch ihren innovativen, vielversprechenden Forschungsansatz für ein gesellschaftlich sehr relevantes Themengebiet, das Lebensmittel- und Gesundheitsforschung verbindet“, sagt Veronika Somoza, Direktorin des LSB. „Ebenso zeichnen sich unsere beiden jungen Nachwuchstalente durch eine hohe Expertise in ihrem jeweiligen Fachgebiet aus. Mit ihren Projekten stärken und ergänzen sie das zukunftsweisende Forschungsprofil des LSB“, so Somoza weiter.  

Mit Molekülmodellierung Wissenslücken schließen

Antonella Di Pizio gehört zu insgesamt vier international hervorragend ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen, die im Rahmen des Leibniz-Professorinnenprogramms gefördert werden. Die ihr zugesprochene Fördersumme von knapp einer Million Euro dient dazu, gemeinsam mit der Technischen Universität München eine Professur für computergestützte Pharmakologie einzurichten, um mit Hilfe neuester, Methoden der computergestützten molekularen Modellierung und des maschinellen Lernens die molekularen Funktionen von Geruchs- und Geschmacksrezeptoren zu erforschen und Wissenslücken zu schließen. Das Forschungsziel der jungen Italienerin ist es, neue Wege aufzuzeigen, die geschmackliche Fehlnoten pflanzlicher Proteine sowie gesundheitsförderlicher Nahrungsmittelzusätze in Lebensmitteln reduzieren, um deren Akzeptanz zu erhöhen und so eine gesunde Ernährungsweise zu fördern. Die Forschung könnte zudem dazu beitragen, neue pflanzliche Proteinquellen zu erschließen und nachhaltiger zu nutzen.

Zur Person von Antonella Di Pizio

Antonella Di Pizio, Jahrgang 1984, studierte Pharmazeutische Chemie und Technologie an der „University of Chieti“, Italien. Ihren PhD „Doctor Europaeus“ im Bereich „Drug Design“ erwarb sie ebenfalls an dieser Universität. Nach einem kurzen Forschungsaufenthalt an der Philips-Universität in Marburg arbeitete sie von 2013 bis 2018 als Postdoc an der „Hebrew University of Jerusalem“ in Israel. Seit Oktober 2018 leitet sie am Leibniz-Institut die Arbeitsgruppe „Molecular Modeling“.

Kontakt, Kurzprofil und Interview von und mit Antonella Di Pizio:

https://www.leibniz-lsb.de/institut/mitarbeiterinnen/kurzprofil-dr-antonella-di-pizio-kopie-1/


Innovativ kombiniert: Biophysik und Lebensmittelwissenschaften

Melanie Köhler erhält mit Hilfe des Förderprogramms Leibniz-Junior Research Group die Möglichkeit, nach einem fünfjährigen Forschungsaufenthalt an der belgischen UCLouvain nach Deutschland zurückzukehren, um ihre eigene Nachwuchsgruppe am LSB aufzubauen. Die promovierte Diplom-Ingenieurin erforscht mit Hilfe der biologischen Rasterkraftmikroskopie (atomic force microscope, AFM) in Kombination bzw. Korrelation mit anderen ausgeklügelten biophysikalischen Methoden die molekularen Mechanismen, die dem Mundgefühl eines Lebensmittels zugrunde liegen. Einzigartig bei dem Forschungsvorhaben ist die Kombination aus Biophysik und Lebensmittelwissenschaften. Die im Rahmen des Projektes gewonnen Erkenntnisse sollen beispielsweise dazu beitragen, gesundheitsförderliche, fettarme Milchprodukte geschmacklich attraktiver für Verbraucherinnen und Verbraucher zu machen.

Zur Person von Melanie Köhler

Melanie Köhler, Jahrgang 1988, ist im Landkreis Rosenheim aufgewachsen und erhielt ihr Ingenieur-Diplom (Master of Science) an der Fachhochschule Oberösterreich, Campus Linz, Österreich im Bereich „Medical Engineering“. Ihren Doktortitel erwarb sie mit einer Arbeit zum Thema: „Single molecular binding studies of purine nucleotides to mitochondrial uncoupling proteins explored by recognition imaging and force spectroscopy“ an der Johannes Kepler Universität, am Institut für Biophysik, Linz, Österreich. Danach wechselte sie Ende 2016 an die UCLouvain in Belgien, wo sie bis heute als Postdoc tätig ist und mittels AFM untersucht, über welche molekularen Mechanismen verschiedene Virenarten an die Oberfläche von Zellen binden.

Kontakt und Interview von bzw. mit Melanie Köhler:

Dr. DI Melanie Köhler B. Eng.
Université Catholique de Louvain
Louvain Institute of Biomolecular Science and Technology (LIBST)
NanoBiophysics Lab (nBio)
E-Mail: melanie.kohler(at)uclouvain.be

Interview mit Melanie Köhler:  www.leibniz-lsb.de/presse-oeffentlichkeit/pressemitteilungen/interview-mit-dr-melanie-koehler/

Zum Leibniz-Wettbewerb 2021:

Im Leibniz-Wettbewerb werden die strategischen Ziele der Leibniz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation adressiert. Die Maßnahmen motivieren, Forschung und Forschungsinfrastrukturen auf höchstem Niveau zu betreiben und die resultierenden Erfolge sichtbar zu machen. Mit seinen zeitlich befristeten Förderungen setzt der Leibniz-Wettbewerb Anreize zur weiteren Profilbildung der Leibniz-Gemeinschaft. Damit grenzt er sich bewusst von Maßnahmen anderer Förderorganisationen und der institutionellen Förderung ab.

https://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-wettbewerb


Presseverantwortlich am LSB:

Dr. Gisela Olias
Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie
an der Technischen Universität München (LSB)
Wissenstransfer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 8161 71-2980
E-Mail: g.olias.leibniz-lsb(at)tum.de
www.leibniz-lsb.de

Informationen zum Institut:

Das Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (LSB) besitzt ein einzigartiges Forschungsprofil an der Schnittstelle zwischen Lebensmittelchemie & Biologie, Chemosensoren & Technologie sowie Bioinformatik & Maschinelles Lernen. Weit über die bisherige Kerndisziplin der klassischen Lebensmittelchemie hinausgewachsen, leitet das Institut die Entwicklung einer Systembiologie der Lebensmittel ein.

Primäres Forschungsziel ist es, neue Ansätze für die nachhaltige Produktion ausreichender Mengen an Lebensmitteln zu entwickeln, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und nutritiven Bedürfnissen, aber auch den Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet sind. Hierzu erforscht es die komplexen Netzwerke der sensorisch relevanten Inhaltsstoffe entlang der gesamten Lebensmittelproduktionskette mit dem Fokus, deren physiologische Wirkungen systemisch verständlich und langfristig vorhersagbar zu machen.

Das LSB ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 96 selbständige Forschungseinrichtungen verbindet. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen knapp 21.000 Personen, darunter fast 12.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei zwei Milliarden Euro.

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